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Gynäkologe: 30 Prozent der Föten überlebt Abtreibung nach 20. Woche Hannover (dpa) 05.01.98 Bei 30 Prozent der Abtreibungen nach der 20. Schwangerschafts-woche überlebt der Fötus nach Angaben von Gynäkologen den Eingriff. "Eine Abtreibung ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr gut durchführbar", sagte der Hannoversche Gynäkologe Christian Albring, der für die Niedersächsische Ärztekammer Fortbildungen zum Schwanger-schaftsabbruch leitet, am Montag in einem dpa-Gespräch. Der Fall eines behinderten Kindes in Oldenburg hatte am Wochen-ende eine neue Debatte über das Abtreibungsrecht ausgelöst. Nach einer mißlungenen Abtreibung in der 25. Woche brachte dort eine Mutter ein schwerbehindertes Kind zur Welt. Die Eltern verlangen Schadensersatz. Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar hatte daraufhin ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen nach der 20. Woche gefordert.Bis zur 12. Woche sind Abtreibungen nach Ansicht Albrings "problemlos". Der Gebärmutterhalskanal werde mit spitzen Stiften aufgedehnt, um die Geburt vorzeitig einzuleiten. Danach aber sei das nicht mehr möglich. Nur noch mit chemischen Wirkstoffen, dem sogenannten Prostaglandin, könne der Gebärmutterhals geöffnet werden. "Es ist aber heute üblich, den Fötus auf dem natürlichen Weg zu gebären", erläuterte Albring. Ein Kaiserschnitt werde nur gemacht, um das Kind zu retten und nicht um es abzutreiben. Auch könne der Fötus nicht vorher getötet werden, das sei für die Mutter zu risikoreich. Bundesweit sind 1996 rund 140 000 Föten abgetrieben worden. "Weit über 90 Prozent allerdings bis zur zwölften Woche", betonte Albring. Der Wunsch der Mutter sei ausschlaggebend, die Ärzte könnten nur beraten. "Eltern werden eben mit behinderten Kindern vom Staat alleingelassen", kritisierte Albring.
dpa 05.01.1998
Mißlungene Abtreibung: Ermittlungsverfahren gegen Arzt Oldenburg (dpa)
Die Eltern, deren behindertes Kind eine Abtreibung in der 25. Woche überlebte, haben Strafanzeige gegen den verantwortlichen Arzt und medizinisches Personal der Städtischen Frauenklinik Oldenburg gestellt. Dies teilte am Montag die Oldenburger Staatsanwaltschaft mit. Daraufhin sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung eingeleitet worden. Der überlebende Fötus sei erst nach mehreren Stunden medizinisch behandelt worden. Die Staatsanwaltschaft will jetzt klären, ob der Arzt fahrlässig und kriminell gehandelt hat. Die Anwältin der Eltern fordert von den verantwortlichen Ärzten und Versicherungen nach dpa-Informationen Schadensersatz. Die Mutter wollte den absehbar behinderten Fötus, bei dem das Down-Syndrom (Trisomie 21/"Mongolismus") festgestellt worden war, noch in der 25. Woche ihrer Schwangerschaft abtreiben. Die Anwältin der Eltern betonte, die Schwangere sei nicht über das Risiko aufgeklärt worden, daß der Fötus den Abbruch überleben könnte. Dies hat der Leiter der Frauenklinik bestritten. Die Anwältin wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft jetzt aufgefordert, den Inhalt der Strafanzeige näher zu erläutern. In dem Oldenburger Fall soll der Junge noch immer auf der Intensivstation liegen und inzwischen siebenmal operiert worden sein. Er werde später in einem Pflegeheim versorgt und befinde sich nicht in der Obhut der Eltern, hieß es. Am Wochenende hatten Vertreter der deutschen Ärzteschaft gefordert, daß Abbrüche nur in dem Stadium erlaubt sein sollten, in dem der Fötus noch nicht lebensfähig ist. Nach der 20. Woche sollten Abtreibungen verboten werden, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Carsten Vilmar. Bei 30 Prozent der Abtreibungen nach der 20. Schwangerschaftswoche überlebt der Fötus nach Angaben des hannoverschen Gynäkologen Christian Albring den Eingriff. "Eine Abtreibung ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr gut durchführbar", sagte der Spezialist, der für die Niedersächsische Ärztekammer Fortbildungen zum Schwangerschaftsabbruch leitet, in einem dpa-Gespräch. Bis zur 12. Woche sind Abtreibungen nach Ansicht Albrings "problemlos". Der Gebärmutterhalskanal werde mit Stiften aufgedehnt, um die Geburt vorzeitig einzuleiten. Danach sei das nicht mehr möglich. Nur mit chemischen Wirkstoffen könne der Gebärmutterhals geöffnet werden. Bundesweit sind 1996 rund 140 000 Föten abgetrieben worden. "Weit über 90 Prozent allerdings bis zur zwölften Woche", betonte Albring. Der Wunsch der Mutter sei ausschlaggebend. "Eltern werden mit behinderten Kindern vom Staat alleingelassen", kritisierte der Experte.
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