05.08.2014

Tim - so sieht mein Alltag aus

17 Jahre nach seiner Spätabtreibung

Mein Name ist Tim, ich bin 17 Jahre alt und gehe noch zur Schule. Morgens, meistens viel zu früh, werde ich von meiner Mama geweckt. Doch ich bin dann immer schnell wach, denn ein neuer Tag mit viel Abwechslung wartet auf mich. Nach dem Windelwechsel und dem Anziehen gehe ich ins Bad, dort steht mein Sondierstuhl. Eigentlich könnte ich auch normale Nahrung essen, doch irgendwie gefällt mir das nicht. Meine Eltern haben schon so viel ausprobiert, um mir das Essen "schmackhaft" zu machen. Es gibt keinen medizinischen Grund, warum ich nicht esse, ich habe einfach nicht das Bedürfnis so meine Nahrung aufzunehmen. Einmal, als wir bei der Delfintherapie uns speziell mit diesem Thema befasst hatten, habe ich tatsächlich gegessen. War gar nicht so übel und alle waren mächtig glücklich und stolz. Aber dann, zurück in Deutschland und dem Alltag, verlor ich zunehmend die Lust am Essen. Wobei ich gerne zusehe wie meine Klassenkammeraden und meine Familienmitglieder essen. Wie dem auch sei, ich nehme meine Nahrung über die Magensonde auf. Wenn ich mit dem Sondieren fertig bin, ist noch Körperpflege angesagt und dann geht es mit dem Bus zusammen mit meiner Schwester Melissa zur Schule. Während der Fahrt unterhalte ich meine Mitfahrer mit meinem lauten Wortspielen. Die sind aber nicht immer sehr erfreut und manchmal etwas genervt, weil sie mit meinem Lautieren nichts anfangen können bin. In der Schule habe ich sehr viele Fächer die sich um Wahrnehmung und Alltagsfähigkeiten drehen. Aber auch beim Sachkundeunterricht, wo verschiedene Berufe vorgestellt werden, bin ich dabei. Den Sportunterricht mit Schwimmen und Trampolinspringen mag ich auch sehr. Doch am Liebsten sind mir die Pausen im Snozzelraum. Da kann ich bei ruhiger Musik und angenehmen Licht richtig gut entspannen. Nach der Schule geht es mit dem Schulbus wieder nach Hause. Jetzt muss ich erst in meinem Zimmer mit meiner Frisbee spielen, die ich wie einen Kreisel auf dem Boden drehe. Auch spiele ich gerne mit meinem Hund Theo. Ich werfe einen Spielzeugknochen und Theo bringt ihn mir zurück. Das macht uns, Theo und mir, sehr viel Spaß.  Dann sind noch einige Termine wie Logo-, Ergo- und Reittherapie angesagt. Abends, wenn mein Papa von der Arbeit kommt, fragt er mich nach der Begrüßung immer wie mein Tag war. Ich antworte ihm mit der Gebärde "gut". Das Abendessen nehme ich wieder über die Magensonde zu mir und anschließend macht mich Mama oder Papa fertig für die Nacht.
An den Wochenenden gehe ich mit Melissa zusammen in einen Tanzkurs. Musik liebe ich sehr und ich klatsche gerne im Rhythmus in meine Hände. Bei schönem Wetter machen wir meistens eine Radtour. Dabei sitze ich in einem speziellen Anhänger und meine Eltern müssen kräftig in die Pedalen treten, damit wir mit den anderen mithalten können.  
Wir sind nicht sicher, ob sich Tim wirklich diese Gedanken macht, aber wir beobachten ihn schon über viele Jahre.
Simone und Bernhard Guido


Tim hat 1997 seine eigene Abtreibung überlebt und kurz danach hat ihn seine Pflegefamilie liebevoll aufgenommen. Bitte spenden Sie für Tims nächste Delfintherapie im Oktober 2014.
Stichwort: Delfintherapie
IBAN: DE23 4408 0050 0771 2200 01

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